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U-Lab Weblog

U-Lab goes to Istanbul

Der Bosporus

Im Juli 2011 folgte das Planungslabor der Einladung der Beykent Universität nach Istanbul. Ziel des einwöchigen Workshops war der Austausch von west/östlichen Architekturansichten in Form eines Wettbewerbs, der sich mit der Vorort Situation des alten Stadtviertels Galata beschäftigte. An dem Workshop beteiligten sich Studierendengruppen aus verschiedenen Teilen der Türkei. Das U-Lab Team war die einzige europäische Gruppe.

Neugierig bestritten wir alle den ersten Tag und versuchten uns langsam gegenseitig kennenzulernen. Unsere Gruppe profitierte sehr von Kübras türkischer Abstammung, da sie uns jederzeit tatkräftig als Übersetzerin zur Seite stand und ohne sie so manche Situation in einem großen Missverständnis untergegangen wäre. Die englischen Sprachkenntnisse unserer türkischen Kollegen ließen teilweise sehr zu wünschen übrig, wodurch man sich durch andere Hilfsmittel behelfen musste. Nach einem ersten Beschnuppern wurde das Thema erläutert und zur Gruppenbildung aufgerufen. Die Verantwortlichen legten großen Wert darauf, dass wir Berliner Studierenden mit den türkischen zusammen arbeiteten und uns gegenseitig inspirieren sollten. Gemeinsam ging es nun los Galata in all seinen Facetten kennenzulernen und einen ersten Eindruck von der Situation gewinnen zu können. Galata bzw. Karaköy gehört zum Stadtteil Beyoglu und befindet sich auf der europäischen Seite. Aus dem Namen kann man seine ursprünglichen europäischen Wurzeln ableiten und es mit Galizien bzw. mit den Galliern in Verbindung bringen. Das wichtigste Monument und zugleich Herzstück an diesem Ort ist der Galataturm. Auf einer Höhe von 48 m über dem Meeresspiegel ragt er in 67 m in die Höhe. Um ihn herum schlängeln sich die kleinen Gässchen mit ihren dichten Altbaustrukturen, die sich bis zum Maramarmeer erstrecken. Ehemals als Christus-Turm zur Zeit der Gallier errichtet wurde er zur Osmanischen Zeit als Wachturm eingesetzt um das Ausspähen von Bränden zu ermöglichen. Bis in die 1960er Jahre hatte er die Funktion einer Feuerwache, danach wurde er privatisiert und als Touristenattraktion umgebaut. Galata lebt von seinem Charme der Altbaustrukturen, der kleinen Gässchen und dem vielfältigen Angebot der Geschäfte. Allerdings sind dort auch sehr stark die Spuren der vergangenen Jahrzehnte zu spüren. An vielen Stellen sind Restaurierungsmaßnahmen notwendig, doch leider wie so oft fehlt das nötige Kleingeld.

Spitze des Galataturms

Schleichend wandern die kleinen touristischen Läden die hügeligen Straßen entlang und verändern das Stadtbild und nach und nach die Bewohnerstruktur. An vielen Stellen trifft man auf harte Brüche im Straßenbild und kaum dass man sich versieht, findet man sich in mitten eines Eisen- und Metallwaren Basars wieder. Diese monofunktionalen Orte haben ihren ganz eigenen Charme, zur späten Abendstunde allerdings rufen sie eine ganz eigene Klientel und als Pauschaltourist fühlt man sich eher nicht willkommen. Doch durch die wachsende Aufwertung ist auch hier eine Form der Gentrifizierung zu beobachten und es kommt zur Verdrängung der eigentlichen Bewohnerstruktur. Der unsanierte Leerstand wird meist durch Hausbesetzer okkupiert. Die eigentlichen Probleme liegen, wie auch schon in Berlin bekannt, an ganz anderen Stellen, die von Stadtplanern oder Architekten nicht wirklich gelöst werden können, sondern meist eher von Sozialarbeitern. Ein Spaziergang durch Galata ist wie eine Reise durch die europäischen Baustile. Von den Genuesen gelangt man zu den Österreichern, streift die Osmanen und macht eine kleinen Abstecher zu den Byzantinern. Hierin liegt ein großes Potential des Ortes, das durch neuerliche Bauten gerne geschwächt wird. Es gibt keine eindeutigen Verbindungen zum Wasser und man wandelt oft gerne Stundenlang die Straßen entlang, rettet sein Leben vor dem unbändigen Verkehr, bis plötzlich vor einem das eigenwillige Maramarmeer auftaucht.

Straße in Galata

Straße in Galata

Unsere Aufgabe bestand nun darin Konzepte für diesen Ort zu entwickeln, vom kleinen Maßstab in Form eines Stadtmöbels bis hin zu stadtplanerischen Umnutzungskonzepten. Die Gruppenarbeit wurde begleitet von morgendlichen Vorträgen der Veranstalter und spontanen Ausflügen zu anderen Stadtteilen mit beispielhaften Sanierungsprojekten von traditionellen Wohnbauten und erlebnisreichen Bootstouren auf dem Bosporus. Man kann die unterschiedlichen Entwurfsansätze der türkischen und der berlinerischen Studierenden nicht leugnen, jedoch versuchten wir diese Gegensätze als Chance zu nutzen und uns gemeinsam zu unterstützen. Am Ende entstanden vielfältige Neubauten mit touristischen Angeboten, Stadtmöbel zum Verweilen und eine Sichtbarmachung des kulturellen Erbes. Nach stundenlangen Diskussionen der Jury fiel die Wahl auf ein Neubauprojekt einer türkischen Gruppe, die mit reichem Beifall belohnt wurde und mit Geschenken geehrt.

Teaching Staff

Siegerehrung

Trotz des reichhaltigen Programms gab es Zeit einen kleinen Eindruck von der Stadt gewinnen zu können und in die Faszination Istanbuls einzutauchen. Ich denke wir alle sind dem Charme und der Schönheit dieser Stadt erlegen und haben uns in ihren Bann ziehen lassen. Die Stadt lebt von ihren Kontrasten und dem unfertigen Charakter, der stündlich sein Aussehen verändert. Über Nacht entstehen provisorische Häuser und man weiß nie, ob das was man gesehen hat im nächsten Moment noch da sein wird. Doch bei all der Hektik und Verwirrung lohnt es bei einem Çay Tee sich einen Moment der Auszeit zu gönnen und sich für die nächsten Abenteuer zu stärken.

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