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U-Lab Weblog

Kiezspree

Barrieren

Im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften am 28.05.2011 wurde zu einer öffentlichen Diskussion mit Vertretern der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Planungsbeteiligten und Fachexperten zum Thema Obere Stadtspree geladen. Studierende der TU Berlin präsentierten in Kooperation mit der University of the Witwatersrand verschiedene Konzepte zum zukünftigen Stadtumbau.

Nachfolgend wird der Themenkomplex der angrenzenden Kieze und ihre Beziehung zur Spree erörtert.

Funktionale Barriere

Fehlende Kontaktpunkte

Im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften am 28.05.2011 wurde zu einer öffentlichen Diskussion mit Vertretern der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Planungsbeteiligten und Fachexperten zum Thema Obere Stadtspree geladen. Studierende der TU Berlin präsentierten in Kooperation mit der University of the Witwatersrand verschiedene Konzepte zum zukünftigen Stadtumbau.

Nachfolgend wird der Themenkomplex der angrenzenden Kieze und ihre Beziehung zur Spree erörtert.

Problemstellung

Als Kiez bezeichnet man in Berlin einen überschaubaren Stadtraum innerhalb des Stadtgefüges, der für seine Bewohner nicht nur ein räumliches, sondern insbesondere auch ein soziales Bezugssystem darstellt. Ein wesentliches Merkmal von Kiezen ist ein hoher Grad der Funktionsmischung. Neben der reinen Wohnfunktion finden auch Orte für Arbeit, Versorgung, Kultur und Freizeit in den räumlichen Grenzen des Kiezes ihren Platz, wodurch sich ein lebendiges Stadtleben konstituieren kann.

Problemstellung

Im Gebiet der Oberen Stadtspree lassen sich zahlreiche dieser Kiezstrukturen finden. Durch ihre historische Entwicklung, ausgehend von der rasanten Industrialisierung im 19. Jahrhundert, können heute im Spreeraum zahlreiche Nachbarschaften mit einer heterogenen Durchmischung von Nutzungen ausgemacht werden. Die Prägung der Uferzonen als Hafen- und Industriestandort ist noch heute in der Stadtstruktur abzulesen. Eben diese ehemaligen Industrieflächen schneiden heute die angrenzenden Kieze räumlich von der Spree ab. Die Trennwirkung wird außerdem durch große Straßen, wie die Stralauer Allee oder die Köpenicker Straße, verstärkt. Diese räumlichen Barrieren gilt es bei einer zukünftigen Entwicklung des Gebietes zu überwinden.

Durch die Prozesse der Etablierung von überwiegend Büronutzungen in den ehemaligen Industriegebieten entlang der Spree ergibt sich heute neben der räumlichen auch eine funktionale Trennung zwischen der Spree und den Kiezen. Um diese funktionale Barriere zu überwinden, gilt es bei zukünftigen Planungen den Fokus nicht auf eine isolierte Nutzung zu legen, sondern vielmehr auf eine Mischung, die dem funktionalen Gefüge der angrenzenden Kieze gerecht wird. Insbesondere ein hoher Wohnanteil und die Etablierung von Nutzungen, welche im Kiez selber fehlen, kann in Zukunft ein lebendiges Stadtleben an den Spreeufern generieren. In solchen Gebieten gilt es, durch die Implementierung von Wohnfunktionen, bzw. dem Wohnen dienliche Funktionen, die Wohn-und Arbeitsgebiete stärker miteinander zu verbinden.

Bei der Entwicklung des Anschütz-Areals rund um die O2-World stellt sich die Frage, wie viel Kiez dieses Gebiet braucht, um mehr zu sein, als ein Konglomerat aus großen Büros. Um zu verhindern, dass ein hier entstehendes Quartier aus Büros, Entertainment- und Shoppingeinrichtungen zwischen 20 und 9Uhr wie ausgestorben in der Stadt liegt, sollte auf einen hohen Wohnanteil wertgelegt werden.

An vielen Bereichen der Oberen Stadtspree Bezirken stellt die Bebauung nicht nur eine visuelle Barriere dar, sondern zumeist auch eine Behinderung der Zugänglichkeit der Ufer. Auch besteht im gesamten Bereich der Oberen Stadtspree ein erheblicher Mangel an Verbindungen zwischen den Kiezen und der Spree sowie Verbindungen zwischen den einzelnen Kiezen der Uferbereiche sowohl auf Friedrichshainer als auch auf Kreuzberger Seite. Dieser funktionalen Trennung gilt es entgegenzuwirken, jedoch nicht nur auf baulicher Ebene, sondern auch durch eine Einbindung der Akteure und Anwohner in den Planungs- und Entscheidungsprozess.

Handlungsansätze

Bei zukünftigen Entwicklungen im Gebiet der Oberen Stadtspree sollte stets ein partizipatorischer Ansatz gewählt werden. Durch die frühzeitige und umfassende Beteiligung der umliegenden Bevölkerung können in Zukunft Interessenkonflikte gelöst oder gar vermieden werden sowie die Akzeptanz von Planungen bei der lokalen Kiezbevölkerung gesteigert werden. Partizipation sollte hierbei als ein umfassender, mehrstufiger Prozess verstanden werden. Jedoch gilt es nicht ausschließlich die Wünsche und Bedürfnisse der Bevölkerung zu beachten, sondern diese mit den Anforderungen und Rahmenbedingungen der Investoren, Grundstücks- und Gebäudeeigentümer in Einklang zu bringen. Hierzu sollten die folgenden vier Schritte zur Anwendung kommen:

  1. Informationsveranstaltungen im Kiez, um die lokale Bevölkerung über aktuelle Planungen zu informieren,
  2. Design Workshops mit Bewohnern des angrenzenden Kiezes,
  3. Planungs- und Design-Charettes, bei denen die Bewohner ihre Interessen mit denen anderer Akteure diskutieren und miteinander vereinbaren,
  4. Durchführung von Nachfolgeveranstaltungen, bei denen die Ergebnisse der Workshops ausgewertet werden. Dies beinhaltet eine öffentliche Ausstellung von Ideen, Entwürfen und Modellen.

Um die Monofunktionalität im Bereich der Uferzonen aufzubrechen gilt es, dem Kiezleben dienende Funktionen in Neuplanungen zu implementieren. Durch das Integrieren von im Kiez benötigten Nutzungen wird verhindert, dass sich in der Nachbarschaft der Kieze Gebiete entwickeln, welche lediglich für ca. acht Stunden am Tag frequentiert werden. Das Ziel sollte es sein, aus den Kiezbedürfnissen heraus das Funktionsgefüge um gezielte Nutzungen zu erweitern, so dass innerhalb des Kiezes ein lebendiger 24-Stunden-Rhythmus gefördert werden kann. Hierzu könnten kleinmaßstäbliche, mobile Module dienen, mit denen neue Nutzungen auf ihren Bedarf hin untersucht werden können. Damit kann die Gefahr von voreiligen und kostspieligen Fehlplanungen eingegrenzt werden.

Eine wesentliche Rolle im Konzept der Kiezspree kommt den Brücken zu, welche heute allein der Mobilität dienen. Hier könnten in Zukunft ebenfalls regelmäßig Kiezaktivitäten wie z.B. Märkte stattfinden. Außerdem gilt es, die Fußgängerbereich aufzuwerten und als Teil des Freiraumes zu entwickeln, in dem Passanten verweilen und den weiten Blick über den Spreeraum und auf die Stadtsilhouette Berlins genießen können.

Da die Uferzonen an den Kiezen nahezu komplett durch private Eigentümer besetzt sind, ist die Zugänglichkeit für die Kiezbewohner sehr eingeschränkt. Durch die Schaffung von punktuellen, schwimmenden Freiräumen in Form von Inseln oder Plattformen könnten kleine Orte geschaffen werden, welche die Kiezbewohner sich aneignen könnten. Hierdurch könnte auch der Freiraumverbund aus Görlitzer Park und Landwehrkanal bis an das Ende der Lohmühleninsel verlängert werden, ohne dass das Zementwerk seinen Standort zeitnah schließen muss.

Funktionsmischung 24h

Funktionsmischung am Wasser

Kiezbrücken

Schwimmende Freiräume

2015-12-07 20:05

Schwimmende Freiräume

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