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U-Lab Weblog

Das Web 2.0 als neues planerisches Werkzeug

Mit der Entwicklung des sogenannten Web 2.0 entstanden neue Möglichkeiten für Bürgerpartizipation in der Gesellschaft.

Obwohl verstärkt Anzeichen einer ‚digitalen Spaltung’ deutlich werden, wird das Web 2.0 immer beliebter als Informations- und Kommunikationswerkzeug, vor allem in großen Städten. Deshalb ist das Web 2.0 ein innovatives und wichtiges Thema für Planer und Designer.

In Frankreich hat die Stiftung für das Internet der neuen Generation (FING) 2007 in Kooperation mit den Bezirken ein Programm über den Einfluss der neuen Medien in der Stadtentwicklung und Stadtplanung gestartet. Die Grundidee war die Demokratisierung von digitalen Technologien. Mit dem Programmnamen „La ville 2.0“ (Die Stadt 2.0) wird deutlich, dass es sich um ein Konzept handelt, für das die neuen Medien von zentralem Stellenwert sind. Aus der Anwendung digitaler Informations- und Kommunikationstechnologie sollen neue Verständnisse über Verhaltensweisen der Menschen im urbanen Raum und notwendige Angebote erwachsen – und damit eine andere Art der Stadtentwicklungspolitik initiiert werden.

Für das U-Lab Projekt „Stadtspree-Kiezspree“ wurde ein Vorschlag entwickelt, das Web 2.0 auf zwei verschiedene Arten zu nutzen. Einerseits soll man sich auf einer Website über die aktuellen Projekte an der Oberen Stadtspree informieren, andererseits soll auch eine Plattform zum Mieten von temporären Räumen, die als Zwischennutzungen auf Brachflächen errichtet werden, angeboten werden. Das Internet trägt in diesem Fall dazu bei, Kommunikation zu vereinfachen und Informationen breiter zu verteilen. Dabei ist die Plattform ein Vorschlag, eine vielschichtige Nutzung von öffentlichen Freiflächen am Wasser zu ermöglichen.

In einem Teil des Entwurfes geht es konkret um die Cuvry-Brache, international bekannt durch die Grafiken von Blu und sehr beliebt im Kiez als Möglichkeit, das Wasser zu erreichen. Idee ist es, die Brache auch weiterhin als Park zu nutzen, aber auch, wie immer mehr öffentliche Räume mit hoher Aufenthaltsqualität, dort Arbeitsplätze anzubieten. Deshalb sind auf der Plattform auch Angebote für Steckdosen und W-LAN angedacht. Wenn das Konzept der „Stadt 2.0“ weiter vertieft würde, wäre auch eine App für Smartphones denkbar, über die (über die Website des Plattform-Managements) in Erfahrung gebracht werden könnte, auf welcher nahegelegen Plattform noch Platz für eine Nutzung wäre. Es wäre auch möglich, Kommentare – beispielsweise über die sonnigsten Plätze – zu schreiben.

Durch dieses Konzept der „Stadt 2.0“ können mehr Informationen über unsere Stadträume im Netz zur Verfügung gestellt werden, aber die Stadt und ihre Bewohner werden auch immer transparenter. Diese Transparenz verursacht Ängste um den Verlust der Intimität, des Privatlebens. Sie ist nicht von jedem gewollt. In seinem Buch „Surveiller et Punir“ von 1975 beschreibt Michel Foucault, ein französischer Philosoph, unsere heutige Gesellschaft als die überwachte Gesellschaft. Mehr Transparenz der Stadt wäre, wenn die „Stadt 2.0“ wirklich als Konzept umgesetzt würde, daher unter Umständen problematisch. Deshalb muss die Begeisterung über ein solches Konzept kritisch hinterfragt werden, ohne die positiven Effekte dieses neuen planerischen Werkzeugs zu verlieren.

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