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U-Lab Weblog

Low budget - high culture!

Brachflächen auf Zeit gehören zu Städten wie der Schnee zum Winter. Die Nutzungsmöglichkeiten reichen dabei vom Apothekergarten bis zum Hundeauslaufplatz.

Doch Brachflächen können noch viel mehr. Da ihre reelle Nutzung zumeist erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt, besteht bis dato die Möglichkeit diese Flächen zu äußerst niedrigen Preisen zu verpachten, da kein Verwertungsdruck reelle Marktpreise einfordert. Auch im Bereich der Oberen Stadtspree, dort wo die Stadtteile Kreuzberg, Friedrichshain und Treptow in Berlin aufeinandertreffen, befinden sich einige solcher Flächen.

Können hier herkömmliche Schiffscontainer Vorteile sowohl für die Stadt als auch ihre Bewohner generieren und diese Flächen kurzfristig beleben?

Das Basislager im Räffelpark Zürich liefert auf diese Frage eine interessante Antwort:

Im Rahmen der KTI-Forschungsstudie "zone-imaginaire", die unter Mitarbeit verschiedener Institute der HSR Rapperswil, der Universität Zürich sowie der ZHAW Winterhur 2004 entstand, wurden Mechanismen und Potentiale von Zwischennutzungen in der Schweiz beleuchtet.

Hier wurden Container zu nutzbaren Räumen umgebaut und zu vier Atelierund Werkstattgebäuden gestapelt. So schaffen sie seit Ostern 2009 temporäre Mietflächen für Menschen mit kreativen Ideen aber wenig Geld. Ein mobiles Restaurant sorgt für die Verpflegung mit vorwiegend Schweizer Küche.

Eine Besonderheit ist die Verpflichtung der Mieter, regelmäßig öffentliche Veranstaltungen gemeinsam zu organisieren, um so das Projekt mit der Stadt zu vernetzen.

Zumindest bis im Herbst 2011 auf dieser Fläche ein Dienstleistungsgebäude der Versicherungsgesellschaft Swiss Life entsteht, die auch Eigentümerin der Fläche ist und die Studie mitfinanziert hat.

Swiss Life vermietet auch die entstandenen Ateliers. Ziel war es hierbei

in Analogie zu den Forschungsergebnissen temporär kleinstrukturierte Räume anzubieten, mit kostengünstiger Miete und einem Umfeld von Gleichgesinnten. Das Atelierprojekt soll mit dem neu geschaffenen Raumangebot einen Beitrag zur Entfaltung und Vernetzung der Kunst- und Kulturschaffenden leisten. Für die Bauherrin Swiss Life überbrückt die Vermietung der Ateliers die Vakanz auf dem Grundstück und stärkt hinsichtlich der geplanten Überbauung mit der positiven Ausstrahlung die Identität des Ortes.

wie es in der Projektbeschreibung heißt.

Der Schweizer Radiosender DRS2 hat die Akteure interviewt.

Hier könnte Berlin noch einiges lernen, zumal es sich häufig als die Stadt der Kreativen Klasse beschreibt, der Umgang mit der Generierung günstiger Mietflächen häufig doch eher unkreativ daherkommt. Denn schließlich ist es keine Milchmädchenrechnung, dass niedrige Mieten eine wichtige Grundlage bei Unternehmensgründungen, sogenannten Start-Ups als auch bei Kleingewerbe spielen.

Auch ist der Standort wichtig, befinden sich viele dieser Flächen in zentraler Lage, ebenfalls ein wichtiger Aspekt, der jungen Unternehmern bei der Vernetzung untereinander und im Stadtgeschehen entgegenkommt.

Das Beispiel Zürich zeigt, das wenn solch ein Modell sogar in einer Stadt mit hohem Investitionsdruck, d.h. geringer Lebensdauer temporärer Brachflächen, funktioniert, es in Berlin mit seinen vergleichsweise dauerhaften Brachflächen auf äußerst fruchtbaren Boden stoßen kann.

Kommentare

1. Am Montag, 7 Dezember, 2015, 19:43 von Cécile Oberkampff de Dabrun

Ich finde diesen Umgang mit temporären Freiräumen auch sehr spannend und prägnant. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle ein französisches Studentenwohnheim in Le Havre vorstellen, um unseren allgemeinen Enthusiasmus etwas zu bremsen.

Valérie Pécresse, die Ministerin für Studium und Forschung in Frankreich, hat die Cité A Docks, ein aus Containern erstelltes Studentenwohnheim, letzten August eingeweiht. Das Projekt ist von der Presse und den Einwohnern von Le Havres gut aufgenommen worden. http://www.20minutes.fr/article/590791/planete-des-conteneurs-recycles-en-residence-universitaire
Leider haben inzwischen die meisten Menschen ihre Meinungen geändert. Der erste Winter hat bereits die Architektur in Frage gestellt und die Studenten beklagen sich über eine ungenügende Isolierung. http://www.mediaetudiant.fr/vie-etudiante/logement-conteneur-un-flop-3055.php

Container-Architektur kann eine schöne Lösung für Freiräume sein, bedarf aber besonderer technischer Detaillierung, wenn sie für Wohnzwecke genutzt werden soll.

2. Am Montag, 7 Dezember, 2015, 19:44 von Marcus Jeutner

Ein interessantes Beispiel für den Umgang mit Brachflächen ist die Stadt Leipzig. Hier wurde in den vergangenen Jahren versucht, die Flächenpotentiale ungenutzter Brachen im Innenstadtbereich durch temporäre Grün- und Freiräume auszuschöpfen.


Nähere Informationen gibt es hier: http://www.leipziger-osten.de/content/stadtumbau/freiraum/

3. Am Montag, 7 Dezember, 2015, 19:45 von Gabi Eisenreich

Spannendes Thema mit viel Potential und sicherlich auch für den Standort Berlin/Spree denkbar. Ich hab mich letztes Jahr auch intensiver mit der Container Architektur beschäftigt und für die Baupiloten eine Container-Mensa entworfen und stieß damals bei meiner Recherche auf eine spannende Publikation darüber:
Container Atlas: Handbuch der Container Architektur z.B. bei http://shop.gestalten.com/container-atlas-146.html falls du mehr ins Detail gehen möchtest.

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