Follow
     
view in english

Wer macht Lichtenberg? Was passiert wenn Planung und Realität sich widersprechen?

17. April 2013
von Daniela Knappe, Malin Praktiknjo, Mareike Joost zum Thema Berlin, Zwischennutzung, Planungsbeiträge
Übersichtskarte zu dem Gelände der ehemaligen Konsumgenossenschaft. Eigene Darstellung.

Im Ortsteil Lichtenberg, genauer auf dem Gelände der ehemaligen Konsumgenossenschaft an der Josef-Orlopp-Straße Ecke Ruschestraße, stellt sich seit den frühen 1990ern die Frage nach einer Nachnutzung für die denkmalgeschützten Fabrikgebäude. Nicht nur die Gebäude stehen überwiegend leer und verfallen, auch die Umgebung vermittelt mit Baustellen und Bauzäunen einen maroden Charme; und das obwohl eine steigende Nachfragewelle nach Wohnraum, Ateliers und Werkstätten aus den angrenzenden Innenstadtbezirken nach Lichtenberg schwappt.

Im Ortsteil Lichtenberg, genauer auf dem Gelände der ehemaligen Konsumgenossenschaft an der Josef-Orlopp-Straße Ecke Ruschestraße, stellt sich seit den frühen 1990ern die Frage nach einer Nachnutzung für die denkmalgeschützten Fabrikgebäude. Nicht nur die Gebäude stehen überwiegend leer und verfallen, auch die Umgebung vermittelt mit Baustellen und Bauzäunen einen maroden Charme; und das obwohl eine steigende Nachfragewelle nach Wohnraum, Ateliers und Werkstätten aus den angrenzenden Innenstadtbezirken nach Lichtenberg schwappt. Die Interessenlage ist nicht einfach: Der Eigentümer des Areals möchte ein Wohnprojekt inklusive der stark nachgefragten Loft-Wohnungen entwickeln. Der Pächter und Hausmeister will vor allem soziale Projekte umsetzen und ist gegen Gentrification. Was allerdings passieren wird, wenn die Genehmigung zum Umbau in Wohngebäude kommt, ist unklar. Der Bezirk ist sich uneinig: Die Position, das planungsrechtlich doppelt und dreifach verankerte Gewerbegebiet um jeden Preis zu erhalten, ist genauso vertreten wie die Möglichkeit zur Umnutzung zu einem Misch- oder sogar zu einem Wohngebiet. Die Stadt ist mitverantwortlich für die starke planungsrechtliche Sicherung des Gewerbegebietes. Abweichende Nutzungen werden erst nach Änderung des Planungsrechts durch den Senat möglich.

Ephemere Strukturen im Untersuchungsgebiet. Eigene Darstellung.

Trotz der lähmenden Wartezeit gibt es Leben in und um die Gebäude: Bürger eignen sich das Gelände an, sie übersteigen Bauzäune, schneiden Löcher hinein oder realisieren kleine Projekte. So wehren sie sich mit diesen ephemeren flüchtigen Nutzungen gegen die Planung, die an dieser Stelle kaum plant, sondern eher verhindert. Sie scheint machtlos die widersprüchlichen privaten und öffentlichen Interesen zu vereinbaren. Die Sicherung von Flächen für die produzierenden Gewerbe im Innenstadtbereich hat zu Recht hohe Priorität. Das Anknabbern dieser Flächen durch Umwidmung in Misch- oder Wohnnutzung könnte das Rest-Gewerbegebiet auch angreifen. Die Bürger in Lichtenberg kennen diese Planung und die möglichen Auswirkungen ihres Handelns zum Glück nicht. Sie machen momentan Lichtenberg und sorgen durch ihr Handeln gegen die Planung endlich für die Auseinandersetzung mit dem Areal und die Diskussion der zukünftigen Entwicklung.


1211109876543210